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Wahldebakel

Ich habe seit einem knappen halben Jahr keinen Eintrag mehr verfasst und denke, dass es mal wieder Zeit wird. Was könnte näher liegen als das aktuelle Thema Europawahl/Bundetagswahlkampf. Ich habe in den vergangenen Tagen ein wenig die Augen und Ohren gespitzt und so ein paar Stimmen von "Otto-Normalos" eingefangen. Hier mal eine kleine Auflistung der "häufigsten" Meinungen:

-"Super - Die CDU hat knapp 7% verloren!"

-"Super, dass die CDU/CSU stärkste Fraktion geworden ist und die SPD ne dicke Abreibung bekommen hat"

-"Toll! Die CDU hat ne Klatsche bekommen und die FDP hat riesen Gewinne verbuchen können"

-"Die FDP hat gut zugelegt.... endlich geht es Richtung Schwarz/Gelb"

-"Die Grünen haben zugelegt. Find ich gut..."

So in etwa das Konzentrat der vier häufigsten Meinungen. Irgendwie haben alle irgendwie Recht, denn die Fakten sagen:

CDU/CSU: -6,7%
SPD: -0,7%
Grüne: +0,2%
FDP: +4,9%
Linke: +1,4%

Das war's... War's das!?? Nein... denn die "Anderen" haben 10,2% geholt und damit ebenfalls knapp 2% hinzugewonnen. Was sagt nun dieses Wahlergebnis eigentlich aus, nachdem sich fast alle Parteien in Selbstmitleid suhlen, frenetisch feiern oder sich mit einem schulterklopfenden "Weiter so, das wird schon wieder" Mut machen?

Die Wähler haben die Schnauze voll! Sie haben die Schnauze voll ständig von vorne bis hinten verarscht zu werden. Sie haben die Schnauze voll von den Diskrepanzen zwischen Wahlversprechen und Realpolitik. Sie haben die Schnauze voll von einer Politik, die mit populistischen Scheingefechten und Alibipolitik (Killerspiele, Internetzensur etc.) agiert, weil sie mit den wirklich wichtigen Fragen völlig überfordert ist. Das Komischste daran ist, dass sie es selbst mit ihrer Scheinpolitik schaffen, sich dank ihrer maßlosen Unkenntnis im Umgang mit der Materie, gnadenlos lächerlich zu machen. Als glänzendes Beispiel sei hier Zensursula genannt, die es zeitgleich an zwei Fronten verbockt hat.

Nun gut... dafür haben ja auch offenbar alle ihre Wahlklatsche abgeholt. Doch schlau werden sie offenbar nicht daraus, und das macht (zumindest mir) wirklich Angst. Denn über Kurz oder lang wird dem Wahlvieh, das von SPD nach Links tingelt und von CDU nach FDP merken, dass ihre neuen Parteien auch nicht das gelbe vom Ei sind und was dann gewählt wird mag ich mir nicht ausmalen.

Gerade die ganzen Neu-FDP-Wähler müssen mMn ordentlich mit dem Klammerbeutel gepudert sein. Sie wählen ausgerechnet in der größten Wirtschaftskrise, die die Welt je erlebt hat die Partei, die nach wie vor fröhlich "Alles super! Weiter so! Der Markt macht das schon!!" postuliert.

Es bleibt nach wie vor die Frage, wie man diesem Schlammassel entgegenwirken kann. Um ehrlich zu sein: Ich weiß es auch nicht. Für absolute Wahrheiten ist das Wahlvieh zu dumm; für dreiste Lügen zu schlau und diese wibbly-wobbly-picky-politics bringts auch nicht, da sich immer mehr an allen Fronten die (oftmals) gerechtfertigte Erkenntnis durchsetzt, dass die etablierten Parteien nur schwafeln sowie Sonnenscheinpolitik und Lobbyarbeit machen und dabei die Parteigrenzen vollkommen verschwimmen, was allen schadet.

Den besten Mittelweg finden mMn derzeit die Grünen. Wobei die es aber auch am Einfachsten haben, da ihre Wählerschicht sich zu einem Großteil aus gebildeten, politisch interessierten Schichten rekrutiert, die sich der Problemfelder der Politik bewusster sind als abgehobene, neureiche CDU-Wähler, denen Gelb im Moment hipper erscheint als schwarz oder Stammtisch-Kumpel die früher ihr Kreuzchen immer bei der SPD machten und jetzt für die Linke brüllen.

Wirklich interessant wäre ein Bundestagswahlergebnis, das in etwa wie folgt aussieht:

CDU: 30%
SPD: 26%
GRÜNE: 15%
FDP: 13%
Linke: 10%

Aber ich vermute, dass sich selbst dann alle noch immer auf die Schultern klopfen und mit Durchhalteparolen zähneknirschend in eine neue Legislatur mit großer Koalition gehen.

Der Wähler bekommt halt was er verdient....

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