Was muss das für eine Qual gewesen sein für die drei armen, geschundenen Seelen der Hessen-SPD, die über 8 Monate, viele fraktionsinterne Gespräche, einen komplett ausgearbeiteten Koalitionsvertrag und mehrere Probeabstimmungen hinweg immer "brav" den, meiner Meinung nach, richtigen Kurs der Partei mitgegangen sind. Natürlich musste anhand des Wahlergebnisses das Versprechen gebrochen werden, dass man keinerlei Zusammenarbeit mit der Linken verfolgt. Aber dieser Wortbruch diente doch dem größeren Versprechen - der Ablösung Roland Kochs.
24h vor der Wahl nun fällt diesen drei Gestalten ihr Gewissen ein (Gewissenhaftigkeit in der Politik ist ansich ja schonmal nen guter Witz) und sie stellen sich vor die Kameras und lassen die Bombe platzen, dass sie ihrer eigenen Parteigenossin das Votum verweigern, nachdem in langen Verhandlungen und vielen Probeabstimmungen quer durch SPD, Grüne und Linkspartei die knappe Mehrheit für den neuen Koalitionsvertrag unter Ministerpräsidentin Ypsilanti beschlossen schien.
Man muss sich schon wundern was da los ist. Einzig und alleine Dagmar Metzger ist wirklich glaubwürdig und menschlich korrekt mit der Situation umgegangen. Sie hat von Anfang an (alleine) klar gemacht, dass sie eher Koch regieren lässt als mit der Linken zu gehen. Das ist aufrichtig und bewundernswert, auch wenn man sich über die Sache streiten kann. Aber was die anderen drei *jetzt* dazu bewogen hat ist bestimmt nicht nur das Gewissen. Ich kann an dieser Stelle zwar nur spekulieren, aber es würde mich nicht wundern, wenn angesichts des knappen Wahlergebnisses ein netter Mensch von der CDU oder einer CDU-nahen Gruppe mit einem schwarzen Köfferchen dem Gewissen dieser drei Windeier auf die sprünge half um, was den Dreien von der Tankstelle ja herausragend gelungen ist, die SPD bis auf's Blut zu blamieren.
Ich kann es nur wiederholen: Die SPD weiß nicht mehr wo sie sich noch positionieren soll. Rechts kuscheln sie so nah mit der CDU, dass sie assimiliert werden und links gräbt "Die Linke" ihnen das Wasser ab, was durch das klare "Nein" zu jeglicher Anerkennung der Wahlausgänge schon im Vorfeld beschleunigt wird. Wer CDU-Politik will, der wählt das Original und wer Sozialpolitik will, der wählt nicht mehr SPD. So sind nunmal die neuen Realitäten und wenn die SPD das nicht bald einsieht, dann werden sie solange kleinerwerdende große Koalitionen bilden können, bis es für Rot-Grün ohne SPD reicht oder sie das Glück haben irgendwann einmal wieder gegen Schwarz-Gelb Opposition machen zu dürfen.
Die einzige Partei, die diese neue Realität wirklich erkannt hat sind die Grünen. Sie haben sich in HH nach rechts geöffnet und in Hessen nach links. Inwieweit ihnen das Stimmen bringt und kostet, und ob das Experiment HH nicht wohlmöglich noch in einem großen Knall scheitert, bleibt abzuwarten.