G8 und andere Sinnlosigkeiten
Gestern war es soweit. Die erste offizielle Demonstration anlässlich des G8 Gipfels. Die Polizei zählte 25000 Teilnehmer, die Veranstalter 80000. Die Wahrheit dürfte wohl wie immer irgendwo dazwischen bei etwa 50-60000 liegen. 2000 Autonome liefern sich schließlich Schlachten mit den Hundertschaften. Die Veranstalter reden (vermutlich zurecht) von Provokationen seitens der Polizei. Die Polizei spricht von unmotivierten Gewaltausbrüchen. Auch hier liegt die Wahrheit wieder irgendwo in der Mitte. Von den 2000 Schlägern sind einige hundert möglicherweise mit dem Vorhaben Randale zu wollen nach Rostock gereist. Die folgenden Aktionen der Polizei, die üblicherweise zu ungezielt sind, tun ihr Übriges. Die klaren Verlierer dieser Krawalle sind die ~55000 Demonstranten, die friedlich demonstrierten. Sie geraten zwischen die Fronten und werden vom "schwarzen Block" ebenso wie von übermotivierten Hundertschaften vertrieben, verletzt. Die geplanten positiven Aktionen, die eher an Karneval und Fußball-WM als an Genua erinnern sollten, sind bestenfalls noch eine Randnotiz in den Medien, die sich wie die Geier auf den "Krieg in den Straßen" schmeißt. Aus dieser Sicht gesehen ist die Randale schon fast wieder gerechtfertigt, obgleich sie kontraproduktiv im Sinne der Demonstrationen ist.
Wogegen wird denn nun aber eigentlich demonstriert und randaliert!? Für eine faire und lebenswerte Welt und gegen das G8-Treffen natürlich. Die G8 treffen sich jedoch auch unter der Prämisse die Welt fairer zu gestalten. Doch was bei den Verhandlungen unterm Strich raus kommt, ist all die Aufregung und schon garnicht die Millionengelder, die in die Sicherheit der korrupten Staatschefs gesteckt werden, wert. Man wird wie üblich im Kreis sitzen, gemeinsam speisen, debattieren und dann unterm Strich faule Kompromisse stehen haben, an die sich dann später eh keine Sau hält. Deutschland, das sich in Persona Angela Merkel so großspurig als Klimapolizei in Szene setzt, ist da keine Ausnahme. Dieses ganze Geschwalle um den Klimaschutz besteht zu 1% aus "echtem Umweltschutz" und zu 99% aus knallharten wirtschaftlichen Erwägungen, die Deutschland als Weltmarktführer in Sachen alternative Energien sehen, was Milliarden an Subventionsgeldern, die die Grünen seinerzeit in den Sektor gepumpt haben, zur Folge hatte. Würden heute die Subventionen an die Energiekonzerne in Sachen Ökostrom wieder eingestellt, dann würden innerhalb weniger Jahre alle Windkraftparks wieder abgestellt sein.
Wenn man sich das ganze Ausmaß des Wahnsinns, der auf der politischen Bühne täglich mit großen Worten dem Wahlvieh vorgespielt wird, klar macht, dann fängt man an, jeden endgefrusteten Randalierer, der ob seiner völligen Machtlosigkeit keinen Sinn mehr im Demonstrieren sieht und einfach nur noch die Welt in Schutt und Asche legen will, zu verstehen.
Ich hoffe die Ostsee hat ein Einsehen und überflutet den ganzen Zoo. Schade nur, dass die Staatschefs noch mit Hubschraubern ausgeflogen werden können. Das nächste Mal bitte den Käfig auch nach oben hin mit Gittern versehen...
[Update]
Das Gipfeltreffen ist nun vorbei und entgegen der anfänglichen Ausschreitungen vom Samstag, die noch gewalttätige Vermummte zeigte, die Polizisten steinigen wollten, ist danach alles friedlich und gewaltlos abgelaufen - zumindest auf Seiten der Demonstranten. Die Polizei hingegen setzte in ihrer "Deeskalationsstrategie" auf Wasserwerfer, Tränengas und Tonfa während die Demonstranten, wie in vielen TV-Berichten deutlich zu sehen ist, die Arme hochhalten und in Sprechchören "Wir sind friedlich! Was seid ihr?" runter beten. Ein Polizeiboot, dass ohne Rücksicht auf Menschenleben ein Greenpeace Schlauchboot überfährt sei hier auch erwähnt. Zum Glück haben die Betroffenen diese Aktion wohl verhältnismäßig unbeschadet überstanden und konnten nach einem Tag das Krankenhaus wieder verlassen, wie zu lesen ist. Der "Deeskalation" die Krone setzte dann aber ein vermummter Undercover-Polizist auf, der den Demonstranten offenbar durch sein unnormal hohes Aggressionspotential(es wird auch offen von Anstachelung zum Steine werfen gesprochen) aufgefallen war, wodurch seine Tarnung aufflog. Die Käfige sowie die Umstände in welchen die teilweise wahllos Festgenommen untergebracht wurden erinnern auch deutlich eher an die Folterwerkzeuge von Guantanamo Bay, als an ordentliche Polizeiarbeit, wie man sie von einem demokratischen Land eigentlich erwarten kann.
Gut gemacht liebe Polizei/Verfassungsschutz. Ihr könnt stolz auf euch sein, dass der G8-Gipfel so friedlich war.
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